Frankreich verlassen? Niemals!

Wer sich innig mit seiner Heimat verbunden fühlt, der wird wahrscheinlich nicht im Traum daran denken, sie zu verlassen, außer vielleicht für eine kleine Urlaubsreise. Bei Julie war es ähnlich, bis ihr Mann sie vor eine Entscheidung stellte. Wir berichten hier bei http://www.viaduc07.com/ über ihre Geschichte.

„Mein Mann war Anwalt, der verdiente hier in Frankreich recht gut, hatte sich auf Mietrecht spezialisiert. Wir lernten uns hier kennen, als er sein Studium gerade beendete. Ich war damals bereits auch Studentin. Nach ein paar Jahren heirateten wir und waren auch sehr glücklich. Allerdings meinte Frank immer, dass er gerne wieder nach Deutschland zurückkehren würde. Er sehne sich nach der Familie, seiner Schwester, seinen Eltern, meinte er. Weiter über dieses Thema gesprochen haben wir aber nie.

Auf einmal wurde seine Mutter schwer krank – verständlicherweise wollte Frank ihr näher sein, vor Ort sein, wenn sie Hilfe benötigen würde. Er reiste anfangs regelmäßig an den Wochenenden nach Deutschland, mal alleine, ab und an auch mit mir. Irgendwann – etwa nach sechs Monaten, meinte er, er habe mit mir etwas Wichtiges zu besprechen und verkündete mir, dass er eine Stelle beim Mieterbund in Deutschland annehmen könne. Er würde dieses Angebot gerne wahrnehmen.

Ich schluckte, hörte schweigend zu, wie er sich alles vorstellte. Natürlich wollte er, dass ich mitkomme. Doch je mehr er davon erzählte, desto mehr baute sich ein Widerstand in mir auf. Ich wollte nicht hier weg. Dafür waren meine Wurzeln hier einfach zu tief. Ich würde alle, die mir lieb waren, viel zu sehr vermissen, sei es der nette Nachbar, der mir schon als ich klein war, immer einen Apfel mitbrachte, oder die tolle Musik und die Straßencafés. Frank's Heimatstadt in Deutschland war im Vergleich zu Paris eine kühl und trist wirkende Stadt.

Wir versuchten es anfangs, uns an den Wochenenden zu sehen, denn Frank zog seinen Traum durch, was ich (wegen seiner Mutter) auch verstehen konnte. Aber natürlich ist das nicht das Selbe – wir lebten uns immer mehr auseinander, trennten uns schließlich. Heute bin ich froh darüber, denn das zeigt mir, dass es richtig war – die Liebe zu meiner Heimat war eben einfach größer!“